
Januar 2011
Bis zum letzten Tag ist es spannend, ob wir bei dem Schneechaos am geplanten Abflugtag los fliegen können. Aber es klappt alles wunderbar.
In La Paz blockieren Streikende die Hauptstraße. Der junge Taxifahrer kennt die Schleichwege und bringt uns sicher zum Hotel. Von ihm erfahren wir, dass die politische Situation seit drei Tagen sehr angespannt ist, da sich nach Wegfall der Subventionen die Preise für Benzin und Diesel verdoppelt haben.
Bei einem Fest zu Silvester werden wir den beiden Vorsitzenden des „Consorcio Enlace“ einem Dachverband verschiedener Organisationen, vorgestellt. Ein Gespräch über eine eventuelle Zusammenarbeit verschieben wir auf einen anderen Abend.
Über der Stadt liegt in dieser Silvesternacht ein kollektives Glücksgefühl. Präsident Evo Morales hat in der Silvesteransprache seine Benzinpreisverdoppelung zurückgenommen und die Streiks sind beendet.
Der Unterricht beginnt für uns in neuen Räumen. Da die Straßenkindervereinigung, bei der wir sonst die Unterrichtsräume anmieten, renoviert und umzieht, bekommen wir ein wunderbar helles Café für den Unterricht zur Verfügung gestellt. Wir verbringen ein konzentriertes Wochenende mit dem Thema Arzneimittelprüfung.
Ein Schüler bittet uns inständig, nach dem Unterricht einen schwer kranken Freund in El Alto zu behandeln. So nehmen wir abends noch eine Erstanamnese mit einem Patienten in einem kleinen Haus bei einer indigenen Familie auf. Insgesamt neun Personen stehen um das Krankenbett während wir den Fall aufnehmen.
In der Lehrpraxis erwarten uns weitere Anamnesen und zahlreiche Follow-Ups, alle schon mit Trainees aus der Schülergruppe. Einige Erstanamnesen sind emotional sehr bewegend.
Später hagelt es zentimetergroße Körner so laut auf das Blechdach, dass wir die PatientInnen kaum verstehen...Sommer in La Paz...





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