
El Beni
Anfrage an HOG nach homöopathischer Ausbildung für Mitglieder des T´simané Volkes
Homöopathie - Ausbildung für T´simané Volk
Unser HOG – Mitglied Christine Wittenburg reist auf eigene Faust und Kosten nach El Beni, um anlässlich einer Anfrage an HOG nach homöopathischer Ausbildung für Mitglieder des T´simané Volkes die Lage vor Ort zu sondieren:
Ich reibe mir die Augen: Vor uns schleudert ein ganzer Reisebus mit elegantem Schwanzwedeln über die Piste, die sich über Nacht in Schokoladenpudding verwandelt hat. Mal bricht das Heck nach rechts, dann wieder nach links aus, mit rhythmischem Schlenkern, wie ein Eisläufer. Es hat geregnet – aber wie soll ich asphaltstrassengewöhnte Europäerin wissen, was so ein tropischer Guss mit einer staubigen Erdpiste anstellt? Schließlich schafft der Fahrer des Busses, sein Riesenvehikel wieder auf Spur zu ziehen, und ich bin erleichtert.
Was treibe ich hier, um 6 Uhr früh, hinten in einem uralten Geländewagen, unterwegs im schrägen Licht des kurzen Sonnenaufgangs in den tropischen Amazonasniederungen? Ich bin überhaupt noch nicht so richtig wach. Vor mir sitzt Fredy, unser Fahrer, der versucht den Überblick zu behalten, ich fühle die Spannung, die jetzt von ihm ausgeht. Neben mir Jens, mein Mann, der seine Augen auch erstaunlich weit offen hat, in Anbetracht der frühen Stunde, die ihm so gar nicht liegt. Aber tanzende Autobusse im Morgengrauen sind effizienter als ein Eimer kaltes Wasser über´n Kopf. Vorne auf dem Beifahrersitz räkelt sich Diana von ENLACE, unserem bolivianischen Kooperationspartner. Sie kennt das schon, sie weiß, dass der Staub sich wie Puddingpulver verhält, wenn er mit Regen gemixt wird.
Wir sind unterwegs nach San Borja in der Provinz El Beni. Es gibt eine Anfrage an „Homöopathen ohne Grenzen“ (HOG), ob man nicht eine homöopathische Ausbildung für Mitglieder des T´simané Volkes anbieten könne, und so hat es sich ergeben, dass ich dorthin fahre, um festzustellen, ob und wie man so ein Projekt in die Wege leiten könnte. Gestern sind wir über völlig verrückte Strassen von La Paz nach Yucumo runter gefahren (fast hätte ich ´gefallen´geschrieben), will sagen: von über 4000m auf knapp über Null. Wir wollten noch weiter, aber eine Blockade hat uns den Weg abgeschnitten. Uns entgegen, auf der gleichen Route, aber in Richtung La Paz, sind etwa 2000 T´simanés unterwegs, um gegen eine Strasse zu protestieren, die ihr Gebiet durchschneiden soll. Es handelt sich nicht nur einfach um ihr Gebiet, sondern gleichräumig um den TIPNIS-Nationalpark. Das ist eine riesengroße Naturschutzzone innerhalb des bolivianischen Amazonasbeckens - und UNESCO Weltkulturerbe! – Aber offensichtlich gibt es keine Gesetze, die solche Gebiete vor Strassenbau schützen. Es gibt andererseits Bevölkerungsanteile, die sich viel von dieser neuen Strasse versprechen: Abholzen, Coca pflanzen, Bodenschätze ausbeuten. Und dazu gehören die Leute, die heute nacht diese Blockade errichtet hatten und verhinderten, dass wir die letzen 50 km zwischen Yucumo und San Borja noch gestern geschafft hätten: die Blockade wird nur um 6h morgens und um 18h abends geöffnet, um die wartenden Fahrzeuge durchzulassen.





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