
Erste Vorbereitungen werden getroffen
Elisabeth Shahrasbi stellt als Beauftragte ein Team zusammen und im Frühjahr 2004 beginnen die Vorbereitungen für die Reise.
Am 6. Juli 2004 brechen wir in Hamburg auf und erreichen am folgenden Tag Teheran. Bereits am zweiten Tag haben wir das erste Gespräch mit zwei homöopathischen Ärzten. Auch eine Ärztin des Gesundheitsministeriums ist anwesend. Homöopathie ist im Iran anerkannt und wird an der Teheraner Universität gelehrt. Etwa 200 Studenten besuchen die Vorlesungen und Übungen.
Wir erhalten für den nächsten Morgen eine Einladung zu einer Besprechung im Gesundheitsministerium. Die Gespräche im Ministerium mit insgesamt acht Personen können auf Deutsch geführt werden. Einige Ärzte haben in Deutschland studiert und sind auf diese Weise auch in Kontakt mit der Homöopathie gekommen.
Für Bam soll ein Krisenprogramm entwickelt werden, das die ganze Bevölkerung mit einbindet. Das Ministerium unterstützt unser Vorhaben. Es stellt uns in Kerman einen Minibus mit Fahrer und Dolmetscher, die uns in Bam helfen sollen, bereit. Die Bitte des Gesundheitsministerium an uns: Bezieht auch die Kinder in das Programm mit ein.
Einige Tage danach reisen wir zunächst auf dem Luftweg nach Kerman, dann über Land in das 200 km entfernte Bam. Die Gegend ist sehr abwechslungsreich: Kahle Berge im Hintergrund kontrastieren mit grünen Dattelpalmhainen, die die Straße säumen. Die Natur trotzt dem Erdbeben.
Unseren ersten Eindruck von Bam gewinnen wir auf der Zufahrtsstraße. Dort leben die Menschen in Zelten inmitten der Trümmer, die von ihrem Haus übrig geblieben sind. Die Zelte sind mittlerweile 7 Monate in Gebrauch und sehen sehr verlebt aus. Wir können nur ahnen, wieviel Tränen darin vergossen worden sind.
Wir besuchen einige Familien. Überall werden wir herzlich empfangen und mit Tee bewirtet. Sie entschuldigen sich immer wieder wegen der einfachen Behausung: Sie würden uns gerne unter besseren Umständen empfangen. Die Überlebenden versuchen, die Zelte so gemütlich wie möglich mit Teppichen und Decken einzurichten.
Dramatische Bilder gibt es nicht mehr, aber Geschichten. Und das Elend steht allen im Gesicht geschrieben. Eine junge Frau berichtet, sie habe versucht, 15 Familienmitglieder mit ihren Händen auszugraben. Allein ihren Vater habe sie retten können.
Frauen, die ihre Männer in Bam verloren haben, haben einen noch schwereren Stand. Sie sind in vieler Hinsicht schutzlos. Männer haben in der iranischen Gesellschaft eine stark beschützende Funktion, indem sie die Familie ernähren.
Das Erdbeben hat rund 800 Einwohner zu Querschnittsgelähmten gemacht. Eine iranische Organisation und die französische NGOs Handicap International betreuen zusammen die Patienten.
Es ist bedrückend, diese Schicksale mitzuerleben, aber es gibt auch Positives zu berichten. Die Akutphase ist vorbei. Einige Hilfsorganisationen konnten ihre Arbeit abschließen und wieder abreisen. Dafür sind neue Programme aufgenommen worden. Die deutschen Hilfsorganisationen ASB und ADRA planen den Bau von Kliniken, Kindergärten und Schulen. Norwegische und italienische NGOs entwickeln psycho-soziale Programme weiter. Und wir haben für unser Projekt viele Zusagen zur Unterstützung erhalten, auch von offizieller Seite. Die Vertreter des Roten Halbmonds in Bam stehen unseren Plänen sehr aufgeschlossen gegenüber, sie haben ihre Hilfe zugesagt.
Wir müssen wieder nach Teheran zurück. Was wir in Bam erlebt haben, war erschreckend, aber es zeigt auch den ungebrochenen Lebenswillen der dort lebenden Menschen. Bevor es zurück nach Deutschland geht, führen wir in Teheran noch ausführliche Gespräche mit den homöopathischen Ärzten über ihre Erfahrungen und unsere mögliche Zusammenarbeit. Nun heißt es, das Projekt in Deutschland konkret zu planen und nach vorne zu bringen.
Elisabeth und Reza Shahrasbi
Margaretha Sasker







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